#87 Wenn Gespräche leer bleiben, obwohl viel geredet wird
Shownotes
In dieser Folge geht es um etwas, das wir alle kennen – und trotzdem viel zu selten wirklich leben: Menschen sehen. Nicht oberflächlich, nicht höflich, nicht automatisiert, sondern präsent, wach und echt. Es geht um Zuhören ohne sofort reagieren zu müssen, um Pausen, die mehr sagen als Worte, und um die feinen Signale, die ständig zwischen Menschen ausgetauscht werden, oft unbewusst, aber nie wirkungslos.
Diese Episode lädt dazu ein, Begegnungen neu zu betrachten: Warum sich viele Gespräche leer anfühlen, obwohl viel geredet wird. Warum Präsenz mehr Verbindung schafft als jedes Argument. Und warum Gesehenwerden ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist, das Sicherheit, Ruhe und Nähe entstehen lässt – ganz ohne Drama oder große Gesten.
Eine ruhige, ehrliche und zugleich klare Folge über Haltung, Wahrnehmung und Menschlichkeit im Alltag. Für alle, die spüren, dass echte Verbindung nicht lauter, sondern aufmerksamer wird.
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00:00:00: Du kannst mit Menschen reden, lachen, arbeiten, leben und dich trotzdem unfassbar alleine fühlen.
00:00:08: Jetzt nicht weil niemand da ist, sondern weil dich niemand wirklich sieht.
00:00:39: Ja, ich sage das nicht so nebenbei, sondern genau so wie ich es meine.
00:00:44: Weil genau darum geht es heute.
00:00:46: Um dieses wirklich.
00:00:49: Um dieses Ankommen.
00:00:51: Um dieses Sehen.
00:00:53: Nicht angucken, nicht scannen, nicht bewerten.
00:00:56: Sehen.
00:00:57: Und vielleicht merkst du schon beim Zuhören, irgendetwas fühlt sich da gerade anders an.
00:01:03: Vielleicht auch nicht, ist okay.
00:01:04: Aber wir gehen da jetzt einmal gemeinsam rein.
00:01:09: Ich habe heute ein Thema dabei, das klingt im ersten Moment auf jeden Fall ein bisschen schräg, vielleicht sogar banal, so nach Kalenderblatt oder Küchentischphilosophie.
00:01:20: Die Kunst Menschen zu sehen.
00:01:23: Klingt harmlos, fast zu harmlos.
00:01:26: Aber je länger ich mich damit beschäftige, desto klarer wird mir, das ist kein Soft Skill, das ist kein Nice to have.
00:01:36: Das ist ein verdammt großes Thema unserer Zeit und ehrlich gesagt auch ein ziemlich schmerzhafter blinder Fleck.
00:01:46: Weil wir leben in einer Welt in der alle ständig gesehen werden wollen, aber kaum jemand wirklich sieht.
00:01:53: Wir posten, wir senden, wir erklären, wir argumentieren, wir präsentieren uns und gleichzeitig sitzen Menschen nebeneinander Arbeiten sogar zusammen, leben zusammen, sprechen miteinander und fühlen sich trotzdem unsichtbar.
00:02:11: Und das passiert nicht aus Bosheit, nicht weil Menschen schlecht sind, sondern weil wir einfach verlernt haben, präsent zu sein.
00:02:21: Und das, weil wir dauernd schon beim nächsten Gedanken sind, beim nächsten Satz, beim nächsten To-do.
00:02:28: Und während wir nicken, sind wir innerlich schon drei Gespräche weiter.
00:02:33: Vielleicht kommt einem das bekannt vor.
00:02:36: Und genau da beginnt doch das Problem.
00:02:39: Menschen werden nicht verletzt, weil jemand nichts sagt.
00:02:43: Menschen werden verletzt, weil jemand nicht da ist.
00:02:47: Weil jemand zwar fragt, wie geht's, aber innerlich hofft, dass die Antwort bitte möglichst kurz bleibt.
00:02:55: Weil jemand zuhört, um zu antworten, nicht um zu verstehen.
00:03:00: Und ja, das passiert uns allen, mir ganz genauso.
00:03:03: Das ist kein moralischer Zeigefinger hier, sondern eher so ein kollektives Innerhalten.
00:03:11: Menschen wirklich zu sehen, bedeutet nicht, ständig tiefgründige Gespräche zu führen oder plötzlich zum Seelenvorschatz zu werden oder so.
00:03:20: Es geht um etwas viel Simpleres und gleichzeitig viel Anspruchsvolleres.
00:03:26: Präsenz.
00:03:28: Dieser kurze Moment, in dem du innerlich sagst, okay.
00:03:33: Jetzt bist du gerade wichtig.
00:03:36: Nicht gleich, nicht später, nicht gleich nach dem Kaffee, einfach nur jetzt.
00:03:43: Und das Spannende ist, der andere merkt das sofort.
00:03:48: Da braucht es keine großen Worte, keine perfekte Frage, das spürt man einfach.
00:03:56: Wir alle haben uns ganz einfach nur daran gewöhnt, Begegnungen effizient zu machen.
00:04:02: Smalltalk abhaken, Blickkontakt minimieren, Lächeln, standardisieren und wundern uns dann, warum Beziehungen oberflächlich bleiben.
00:04:12: Warum Nähe fehlt, warum sich Gespräche einfach leer anfühlen, obwohl so viele Worte gefallen sind.
00:04:19: Menschen sehen heißt diesen Automatismus einfach mal kurz zu unterbrechen.
00:04:25: Nicht dramatisch, nicht pathetisch, einfach kurz raus aus dem Autopiloten.
00:04:33: Und ja natürlich.
00:04:35: können wir auch nicht jeden Menschen jederzeit in voller Tiefe sehen.
00:04:39: Das wäre auch völlig überfordernd.
00:04:41: Aber es geht um die Haltung dahinter.
00:04:44: Um diese innere Entscheidung, ich begegne Menschen nicht wie Aufgaben, sondern wie Menschen.
00:04:51: Mit Geschichte, mit Kontext, mit innerem Lärm, den ich nicht kenne.
00:04:56: Und allein diese Haltung verändert etwas.
00:05:00: Nicht nur beim Gegenüber, sondern auch bei uns selbst.
00:05:05: Und eigentlich ist die Vorgehensweise dahinter sogar richtig simpel.
00:05:10: Denn gesehen werden, das reguliert, es beruhigt, es schafft sogar Sicherheit in einem.
00:05:17: Unser Nervensystem reagiert darauf, ob jemand wirklich anwesend ist oder einfach nur körperlich darum steht.
00:05:25: Das ist auch kein esoterisches Gedöns, das ist Biologie.
00:05:30: Und vielleicht erklärt das auch, warum so viele Gespräche heute Echt anstrengend wirken.
00:05:37: Weil unser System merkt einfach, da ist jemand, aber irgendwie auch nicht.
00:05:45: Und vielleicht kennst du das ja auch.
00:05:47: Du gehst aus einem Gespräch raus und kannst gar nicht genau sagen, was gefehlt hat.
00:05:52: Es war nett, es war höflich, es war okay, aber irgendwie war es leer.
00:05:59: Genau da lohnt es sich hinzuschauen.
00:06:02: Nicht beim anderen, sondern bei sich selbst.
00:06:05: War ich überhaupt da?
00:06:07: Oder war ich beschäftigt damit, gut zu wirken, klug zu klingen, schnell fertig zu werden?
00:06:16: Denn Menschen wirklich sehen ist oft unbequem, weil es Langsamkeit braucht, weil es Pausen braucht, weil es bedeutet, nicht sofort etwas reinzuwerfen, wenn es kurz still wird.
00:06:32: Und diese Stille halten super viele Menschen kaum aus.
00:06:37: Dabei passiert genau da etwas.
00:06:40: Da entsteht Verbindung, da entsteht dieses Gefühl von, okay, ich bin nicht alleine hier.
00:06:49: Und keine Sorge, das hier wird überhaupt keinen Appell zur Dauerempartie oder zur emotionalen Selbstaufgabe.
00:06:57: Es geht nicht darum, alles aufzufangen oder jeden Ritten zu wollen.
00:07:02: Es geht darum, im Moment ehrlich zu sein.
00:07:05: Da zu sein, wenn man da ist.
00:07:08: und nicht so zu tun, als wäre man es.
00:07:13: Okay, wenn wir also sagen, Menschen wirklich sehen, beginnt einfach nur erstmal mit Präsenz.
00:07:21: Dann geht es jetzt einen Schritt tiefer.
00:07:23: Weil Präsenz sein, heißt nicht, dass ich still sitze, freundlich gucke und gelegen, ich sage Präsenz zeigt sich vor allem darin, wie ich zuhöre.
00:07:36: Und da wird spannend, weil genau da fliegen wir uns im Alltag permanent selbst um die Ohren.
00:07:44: Denn die meisten Gespräche sind ja eigentlich gar keine Gespräche, sondern verdeckte Monologe mit kurzen Unterbrechungen.
00:07:53: Einer redet, der andere wartet.
00:07:55: Wartet auf die Pause.
00:07:57: Wartet auf den eigenen Einsatz.
00:07:59: Wartet darauf, endlich zu sagen, was er schon seit drei Sätzen im Kopf vorbereitet.
00:08:05: Und währenddessen nickt man.
00:08:08: Lächelt vielleicht.
00:08:09: Aber innerlich läuft schon der eigene Film.
00:08:12: Das fühlt sich für den anderen erstaunlich lehren.
00:08:15: Und das liegt nicht an mangelnder Sympathie, sondern an fehlender Aufnahmebereitschaft.
00:08:23: Einfach nur zuhören ohne sofort reagieren zu müssen ist auf jeden Fall ungewohnt.
00:08:29: Fast schon irritierend.
00:08:31: Da entsteht schnell dieser innere Druck.
00:08:34: Sag doch was.
00:08:36: Mach's nicht komisch.
00:08:38: Fühl einfach mal die Stille.
00:08:40: Und genau da liegt der Knackpunkt.
00:08:43: Stille ist kein Fehler im Gespräch, sondern ein Raum.
00:08:47: Und in diesem Raum sortiert sich beim Gegenüber gerade etwas.
00:08:52: Gedanken, Gefühle, manchmal Mut.
00:08:55: Wenn ich diesen Raum sofort zuflastere, nehme ich dem anderen die Chance weiterzugehen als bis zur Oberfläche.
00:09:05: Psychologisch gesehen passierte übrigens richtig viel.
00:09:09: Sobald jemand merkt, dass da keiner dringelt.
00:09:12: Keiner unterbricht, keiner gleich eine Lösung auspackt, sinkt die innere Anspannung.
00:09:18: Der Körper schaltet ein Stück runter und dann kommt oft mehr als das übliche.
00:09:24: Jetzt nicht immer, aber auf jeden Fall häufig.
00:09:27: Und genau dafür braucht es aber auch dieses Aushalten, dieses kurze Nichtstun, dieses.
00:09:34: Ich bin da und ich renne die nicht davon, nur weil es gerade leiser wird.
00:09:41: Und ein weiterer Punkt, der gerne unterschätzt wird.
00:09:44: Fragen stellen ist gut, aber die Haltung dahinter, die ist entscheidend.
00:09:49: Es gibt Fragen, die sind reine Tarnung.
00:09:52: Die Klinge interessiert sind aber eigentlich nur der Startschuss für den eigenen Redebeitrag.
00:09:58: Und es gibt Fragen, die offen bleiben dürfen, die nicht sofort zu einem Ergebnis führen müssen.
00:10:06: Die dürfen auch mal im Raum hängen, das spürt man.
00:10:09: und der Unterschied, der ist enorm.
00:10:14: Was dabei auch oft auffällt, Viele Menschen verwechseln interessiert sein mit interessant sein.
00:10:22: Interessant sein ist anstrengend.
00:10:24: Da muss sich liefern, beeindrucken, mithalten.
00:10:29: Interessiert sein, das ist total entspannt.
00:10:32: Da darf der andere erzählen.
00:10:34: Da entsteht Bindung.
00:10:36: Und das Verrückte ist, wer wirklich interessiert ist, wirkt automatisch auch interessant.
00:10:43: Und das ganz ohne Show.
00:10:46: Und dann noch diese Sache mit dem Pausen.
00:10:49: Ich weiß, Pausen machen nervös.
00:10:52: Vor allem in Gesprächen.
00:10:54: Aber Pausen sind gar keine Lehre.
00:10:57: Der arbeitet gerade etwas in uns.
00:10:59: Da sortiert sich etwas neu.
00:11:02: Und wenn ich mir selbst erlaube, auch mal kurz nachzudenken, statt sofort zu antworten, sende ich ein super starkes Signal an das Gegenüber.
00:11:13: Ich nehme dich ernst.
00:11:15: Ich werfe dir keine vorgefertigte Meinung hin.
00:11:18: Ich prüfe gerade, was für diesen Moment stimmig ist.
00:11:23: Das übrigens auch ein sehr guter Schutz vor diesen endlosen Gesprächen, in denen man sich gegenseitig mit Argumenten beschießt.
00:11:33: Gespräche sind ja kein Wettkampf.
00:11:35: Da gibt es keinen Pokal für das bessere Argument.
00:11:39: Wer versucht zu gewinnen, verliert meistens die Verbindung.
00:11:43: Und Verbindung ist das, was am Ende hängen bleibt.
00:11:46: Nicht recht behalten.
00:11:49: Und ja, das bedeutet natürlich auch, die eigenen Erwartungen etwas rauszunehmen.
00:11:55: Nicht jedes Gespräch muss tief sein.
00:11:58: Nicht jeder Austausch muss etwas lösen.
00:12:01: Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
00:12:04: Zuzuhören und den anderen nicht zu korrigieren.
00:12:07: Nicht zu optimieren.
00:12:09: Nicht zu beschleunigen.
00:12:11: Einfach nur da sein.
00:12:13: Das ist erstaunlich wirksam.
00:12:15: und gleichzeitig völlig unspektakulär.
00:12:21: Und eins ist klar, Menschen merken sehr genau, ob jemand ihnen Raum gibt oder ob sie gerade nur geduldet werden, ob jemand zuhört oder nur wartet.
00:12:33: Und das entscheidet oft darüber, ob sich jemand öffnet oder zumacht.
00:12:38: Präsenz ist kein extra, sie ist eine Grundlage, und alles, was danach kommt, baut darauf auf.
00:12:48: Wenn ich also wirklich zuhöre und Pausen aushalte, dann passiert noch etwas anderes, etwas viel subtileres.
00:12:58: Der Körper fängt an zu reden.
00:13:00: Und zwar die ganze Zeit.
00:13:02: Egal ob jemand spricht oder schweigt, der Körper ist ehrlich, brutal ehrlich sogar.
00:13:07: Und genau da wird spannend, weil wir gelernt haben Worte zu analysieren, aber den Rest Konsequenz zu ignorieren.
00:13:18: Viele tun oft so als bestimmte Kommunikation hauptsächlich aussetzen, als wäre alles, was wichtig ist, sauber formuliert und logisch aufgebaut.
00:13:30: Dabei läuft der Großteil doch auf einer komplett anderen Ebene.
00:13:35: Blick, Haltung, Spannung, Mikroreaktion, kleine Bewegungen, die man kaum bewusst wahrnimmt, aber trotzdem spürt.
00:13:45: Dieses diffuse Gefühl von irgendwas stimmt hier nicht oder das fühlt sich gerade rund an.
00:13:53: Das ist kein Zufall, das ist die Wahrnehmung.
00:13:58: Augen zum Beispiel.
00:14:00: Da kann doch jemand die perfekten Worte finden, ruhig sprechen, freundlich wirken und trotzdem sagt ein Blick etwas völlig anderes.
00:14:11: Nicht dramatisch, nicht theatralisch, eher so ein kurzes Aufflackern.
00:14:17: Unsicherheit, Rückzug, Anspannung.
00:14:19: und das Interessante ist, wir nehmen das wahr, auch wenn wir es nicht benennen können.
00:14:26: Der Körper des Gegenübers sendet permanent Signale und unser eigenes System reagiert darauf, ob wir wollen oder nicht.
00:14:36: Oder anderes Beispiel.
00:14:38: Nimm die Körperspannung.
00:14:40: Schultern leicht hochgezogen, atemflach, Hände unruhig.
00:14:44: Das erzählt oft mehr als jede Erklärung.
00:14:47: Und nein, es geht hier nicht darum, Menschen zu analysieren oder zu entlarven oder so, das wäre völlig am Ziel vorbei.
00:14:54: Es geht darum, wahrzunehmen, ohne sofort zu interpretieren, zu registrieren, was da ist, statt nur auf Worte zu warten.
00:15:05: Und ein Punkt, den viele viele unterschätzen, sind Füße.
00:15:11: Ich weiß, klingt erst mal ein bisschen schräg.
00:15:14: Aber Füße, Füße sind erstaunlich ehrlich.
00:15:18: Die zeigen oft genau dahin, wo jemand innerlich hin will, Richtung Tür, Richtung Abstand, Richtung Nähe, nicht bewusst gesteuert, sondern automatisch.
00:15:29: Und auch das ist keine Einladung zur Analyse, sondern ein Hinweis.
00:15:33: Da passiert gerade etwas, das nicht ausgesprochen wird.
00:15:39: Was ich einfach damit sagen möchte, Menschen sehen heißt nicht nur zu hören, sondern wahrnehmen mit allen Sinn.
00:15:48: Und dafür braucht es Präsenz.
00:15:50: Wenn ich innerlich schon beim nächsten Termin bin, bekomme ich davon nichts mit.
00:15:54: Dann höre ich Worte, aber verpasst er den Kontext.
00:15:58: Dann reagiere ich vielleicht völlig daneben, obwohl ich es gut gemeint habe.
00:16:04: Und jetzt kommt noch ein ganz wichtiger Punkt.
00:16:07: Diese Wahrnehmung funktioniert nur, wenn ich nicht sofort handeln will.
00:16:12: Nicht sofort eingreifen, nicht sofort erklären und nicht sofort korrigieren.
00:16:18: Der Körper des Gegenübers zeigt mir gerade, wo er steht.
00:16:21: Und manchmal reicht es völlig aus, das einfach stehen zu lassen.
00:16:25: Kein Kommentar, kein Rat, kein, das wird schon einfach da bleiben.
00:16:33: Und viele Menschen haben einfach Angst davor, weil sie denken, sie müssten irgendetwas tun.
00:16:39: Aber oft ist genau das Nichtstun das Angemessene.
00:16:43: Da entsteht Sicherheit, da entsteht das Gefühl, OK, ich werde gerade nicht bewertet, nicht gedrängt, nicht analysiert.
00:16:51: Ich darf sein, wie ich bin.
00:16:53: Und genau das reguliert mehr als jedes kluge Wort.
00:17:01: Wir unterschätzen einfach massiv, wie fein unsere Wahrnehmung eigentlich ist.
00:17:07: Das ist nichts Exotisches, nichts, was man lernen muss, wie eine Fremdsprache.
00:17:12: Das ist da, von Natur aus.
00:17:15: Wir haben nur aufgehört, darauf zu hören, weil wir so beschäftigt sind mit Denken, plan, sprechen.
00:17:22: Und je mehr wir uns erlauben, wieder wahrzunehmen, desto klarer werden Begegnungen.
00:17:28: Weniger Missverständnisse, weniger Reibung, weniger dieses diffuse Unwohlsein nach Gesprächen.
00:17:39: Menschen sehen, heißt also auch, dem Körper zuzuhören.
00:17:44: Dem eigenen und dem des Gegenübers.
00:17:47: Nicht um etwas herauszufinden, sondern um etwas zu verstehen.
00:17:51: Und oft reicht dieses Verstehen schon aus, damit sich etwas entspannt.
00:17:56: Ganz ohne großes Drama.
00:17:58: Ganz ohne Analysemarathon.
00:18:02: Und das einfach, weil jemand da ist und wirklich hinschaut.
00:18:08: Wenn man all das jetzt mal zusammennimmt, also Präsenz, echtes Zuhören, Wahrnehmung jenseits von Worten, dann landet man zwangsläufig bei einer Haltung.
00:18:21: Und genau darum geht es jetzt zum Schluss.
00:18:24: Menschen sehen es keine Technik.
00:18:27: Es ist keine Methode, die man kurz anwendet und dann wieder weglegt.
00:18:30: Es ist eine innere Entscheidung, wie ich Menschen begegnen möchte.
00:18:36: Und ja, das ist manchmal unbequem, weil es bedeutet, Erwartungen einfach mal loszulassen.
00:18:43: Und viele von uns gehen in Begegnungen immer noch rein mit einem inneren Drehbuch.
00:18:49: Wie der andere sein sollte, was er sagen sollte, wie er reagieren müsste.
00:18:55: Und wenn das nicht passt, entstehen Reibungen, Frust, Distanz.
00:19:00: Menschen sehen, heißt dieses Drehbuch, kurz zur Seite zu legen.
00:19:05: Nicht alles gut heißen, nicht allem zustimmen, aber den anderen einfach sein lassen.
00:19:13: So wie er gerade ist.
00:19:14: Mit seinen Ansichten, seinem Tempo, seinen Eigenheiten.
00:19:19: ohne ihn zu korrigieren, ohne ihn verbessern zu müssen.
00:19:26: Das jetzt ist ein großer Punkt, der oft missverstanden wird.
00:19:31: Jemanden sehen heißt nicht ihn retten zu wollen.
00:19:35: Es heißt nicht sofort Verantwortung zu übernehmen oder Lösungen zu liefern.
00:19:41: Ganz im Gegenteil.
00:19:43: Wer sofort in den Helfer-Modus springt, sieht oft gar nicht mehr den Menschen, sondern nur noch das Problem.
00:19:51: Und das spürt man.
00:19:52: Das fühlt sich für den anderen schnell kleinmachend an, auch wenn es gut von dir gemeint ist.
00:20:00: Was viel stärker wirkt, ist diese leise, fast unscheinbare Haltung von, du darfst da sein.
00:20:08: Ich halte das aus.
00:20:10: Ich renne nicht weg.
00:20:13: Ich muss dich nicht verändern, damit ich mich wohlfühle.
00:20:18: Und das erzeugt etwas, dass in unserer Gesellschaft ziemlich rar geworden ist.
00:20:25: Sicherheit.
00:20:27: Nicht diese künstliche Wohlfühlsicherheit, sondern diese echte, ruhige Form von Sicherheit, in der nichts gefordert wird.
00:20:37: Und eins ist klar, das funktioniert auf jeden Fall nicht immer.
00:20:41: Manche Begegnungen bleiben einfach kurz.
00:20:44: Manche Wege trennen sich auch wieder.
00:20:46: Menschen sehen heißt nicht, dass daraus automatisch Nähe entsteht.
00:20:52: Manchmal heißt es einfach, sich respektvoll zu begegnen und dann weiterzugehen.
00:20:58: Auch das, das ist vollkommen okay, aber dieser Moment des gesehenwerdens bleibt und der wirkt oft länger als man denkt.
00:21:09: Was auf jeden Fall aber hilft, ist eine innere Grundhaltung von Wohlwollen.
00:21:15: Klingt verweichlich, ist aber ziemlich kraftvoll, dem anderen innerlich nichts Schlechtes zu wünschen.
00:21:23: ihm nicht schon im Kopf die Motive zu unterstellen.
00:21:27: Einfach davon auszugehen, dass jeder gerade sein Bestes gibt, mit dem was ihm zur Verfügung steht.
00:21:34: Das entspannt ungemein für beide Seiten.
00:21:39: Und vielleicht merkt sie jetzt, dass sich hier jetzt gerade der Kreis schließt.
00:21:43: Präsenz, Zuhören, Wahrnehmung, Haltung.
00:21:47: Das ist kein riesengroßes Konzept.
00:21:51: Das ist unser Alltag.
00:21:53: Begegnung für Begegnung.
00:21:55: Und wenn man das häufiger lebt, dann verändert sich etwas.
00:22:00: Gespräche werden ehrlicher, Beziehungen klarer und auch die eigenen Grenzen spürbarer, weil man nicht mehr alles kompensieren muss.
00:22:12: Bevor ich gleich zum Schluss komme, habe ich noch eine kleine Bitte.
00:22:17: Wenn du bisher zugehört hast und irgendetwas davon für dich Sinn gemacht hat, Dann nimm dir doch bitte ein paar Sekunden und gib diesem Podcast eine positive Bewertung.
00:22:29: Das ist kein Algorithmus Trick, sondern schlichtwerke Wertschätzung.
00:22:34: Und wenn du das Gefühl hast, diese Folge könnte auch jemandem anderem gut tun, dann teil sie gern.
00:22:40: Nicht aus Missionseifer, sondern einfach, weil gesehen werden ansteckend ist.
00:22:47: In dem Sinne, danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
00:22:50: Bis dahin.
00:22:52: Hör auf dein Herz, vertraue auf deine innere Stimme und vergiss nicht, die Antworten liegen in dir.
00:23:00: Unbox yourself and supercharge your life.
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